Politik
Teller-Trog-Tank

In der Schweiz gilt der Grundsatz, dass Pflanzen zuerst als Nahrungsmittel, dann als Futtermittel und erst zuletzt als Treibstoff verwendet werden sollen. Unter den derzeitigen Förderbedingungen ist es faktisch unmöglich, dass die ackerbaubasierte Produktion von biogenen Treibstoffen in der Schweiz künftig überhaupt je eine Rolle spielen wird. Im Vordergrund stehen biogene Treibstoffe, welche aus biogenen Abfällen und Reststoffen gewonnen werden.

Wie im Positionspapier des Bundesamtes für Energie BFE festgehalten wird, hat grundsätzlich eine möglichst sparsame und rationelle Nutzung der Energie Priorität. In der Biomasse-Strategie des Bundes ist die Priorität der Nahrungsmittelproduktion vor der energetischen Nutzung von Biomasse festgehalten. Zudem hält das Bundesamt für Energie weiterhin am Prinzip fest, dass die energetische Nutzung von Biomasse weder im Inland noch im Ausland zu direkten oder indirekten Verdrängungseffekten bei der Nahrungsmittelproduktion oder der Biodiversität führen darf.

Gesetzgebung

Im Rahmen des Kyoto-Protokolls sowie des Pariser Klimaabkommens hat sich die Schweiz verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Für die Erreichung dieses Ziels hat das Parlament im September 2020 das total revidierte CO2-Gesetz verabschiedet. Sofern das neue Gesetz die Referendumsabstimmung besteht, wird es per 1.1.2022 in Kraft treten.

Mit dem neuen CO2-Gesetz wird sich die Schweiz bezüglich der sozialen und ökologischen Kriterien für nachhaltige biogene Treibstoffe dem europäischen Standard anschliessen.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Mit dem total revidierten CO2-Gesetz werden Importeure von Benzin, Diesel und Erdgas verpflichtet, zwischen 2022 und 2024 15 Prozent, ab 2025 bis 2030 20 Prozent der CO2-Emissionen des Verkehrssektors im Inland zu kompensieren.

Aktuelle Zahlen: CO2-Statistik: Emissionen aus Brenn- und Treibstoffen
Mehr Infos beim Bundesamt für Umwelt Abteilung Klima: Link

Weiter zum Thema Zertifizierung

Umsetzung

Für die Umsetzung dieser Kompensationspflicht setzt sich die Stiftung KliK ein. Es handelt sich dabei um eine Kompensationsgemeinschaft, welche Projekte unterstützt, die den Ausstoss von Treibhausgasen reduzieren.

Das grösste Potenzial zum Einsparen von CO2-Emissionen bieten nach wie vor die flüssigen Biotreibstoffe. Sie wirken unmittelbar und ohne Komforteinbusse bei jedem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Die Autofahrerinnen und Autofahrer sowie die Speditionsunternehmen reduzieren mittlerweile rund 600'000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Weitere Massnahmen

Als weitere Förderungsmassnahme sind in der Schweiz biogene Treibstoffe seit dem 1. Juli 2008 und noch bis zum 31. Dezember 2023 von der Mineralölsteuer befreit, sofern sie ökologischen und sozialen Mindestanforderungen genügen. Die Kriterien umfassen die Reduktion von CO2 und der Umweltbelastung, den Erhalt des Regenwaldes und der Biodiversität sowie die Berücksichtigung der indirekten Auswirkungen.

Im Einzelnen bedeutet das:
  • Biotreibstoff, welcher aus Abfällen und Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft und aus der Restauration (Frittieröl) gewonnen wird, ist auf jeden Fall steuerfrei.

  • Treibstoffe aus Raps oder Zuckerrohr erhalten die Steuererleichterung nur, wenn im Einzelfall der Nachweis einer positiven ökologischen Gesamtbilanz erbracht wird. Bisher ist dies nicht gelungen.

  • Der Anbau von Palmöl, Soja oder Getreide gilt als Bedrohung für den Regenwald und die Biodiversität. Somit erhalten diese keine Steuererleichterung.
 
 
 
Markt und Entwicklung
Der Anteil biogener Treibstoffe in der Schweiz lag im Jahr 2010 lediglich bei 0,17%. Im Jahr 2019 stieg dieser Wert auf 6,7% beim Diesel- und 2,6% beim Benzinabsatz.

Mit dem neuen CO2-Gesetz steigt ab 2022 die Kompensationspflicht der Treibstoffimporteure vorerst auf 15%. Dies wird zu einer weiteren Steigerung des Absatzes von nachhaltigen, erneuerbaren Treibstoffen führen.

Seit dem 1. Januar 2013 sind nur noch auf Abfällen und Reststoffen basierende biogene Treibstoffe von der Mineralölsteuer befreit. Die Oberzolldirektion (OZD) hat ihre Praxis beim Erteilen der Steuererleichterung in den letzten sieben Jahren laufend verschärft. Als Folge des neuen CO2-Gesetzes, das voraussichtlich am 1.1.2022 in Kraft tritt,
- werden ab dem 1.1.2024 keine Steuererleichterungen mehr gewährt;
- werden auch in der Schweiz sogenannte "advanced biofuels" analog der Erneuerbaren Energie Richtlinie (RED II) der EU akzeptiert.

Biodieselmarkt Schweiz

Bis 2012 verkauften die inländischen Hersteller sowie die Importeure von Biodiesel ihre Ware zu einem grossen Teil an Betreiber von LKW-Flotten und Baumaschinen. An der Tankstelle ist reiner Biodiesel (B100) praktisch verschwunden, das Geschäft hat sich mengenmässig nicht gelohnt. Ab 2013 stiegen die Importe markant. An vielen Tankstellen wird unterdessen B7 - Mineralöldiesel mit einem nicht zu deklarierenden Anteil von 7% Biodiesel - verkauft.

Bioethanolmarkt Schweiz

Bioethanol ist in der Schweiz beigemischt zu Benzin Bleifrei 95 oder als E85 erhältlich. Beimischungsquoten von bis zu 5% sind nach SN EN 228 nicht deklarationspflichtig. E85 besteht aus 85% Bioethanol und 15% Bleifrei 95. Der Zusatz von 15% Benzin ist zur Verbesserung der Kaltstartfähigkeit notwendig. E85 eignet sich ausschliesslich für Flex-Fuel-Vehicles (FFV). Rund 50 Tankstellen bieten schweizweit E85 an, Tendenz mangels Nachfrage abnehmend.

Auch beim Bioethanol sind die - ausschliesslich importierten - Mengen ab 2014 stark gestiegen. Der deutlich tiefere Anteil von erneuerbaren Komponenten beim Benzin liegt darin begründet, dass das aktuelle, bis zum 31.12.2021 gültige CO2-Gesetz eine Massenbilanzierung - ein üblicher Standard beim Strom und beim Gas - nicht erlaubt. Den Nachweis der ökologischen und sozialen Mindestanforderungen für Bioethanol zu erbringen, ist daher ungleich schwieriger als bei Biodiesel. Das Gesetz verlangt zwar die Akzeptanz der technischen Standards. Die Behörden sind aber nicht bereit, eine aus technischen Gründen unvermeidliche Massenbilanzierung, und sei dies nur in klar umschriebenen Teilbereichen, zu akzeptieren.

Bioethanol: Marktöffnung voller Hindernisse, EFD (2010)
 
 
 
Biotreibstoffe Ausgangsmaterial
Biotreibstoffe basieren auf Biomasse.

In der Schweiz basieren Biotreibstoffe ausschliesslich auf tierischen oder pflanzlichen Abfall- und Reststoffen. Der in der Schweiz eingesetzte Biodiesel besteht beispielsweise zu 100 % aus Altspeiseölen oder Schlachtabfällen. Diese erneuerbaren Treibstoffe erfreuen sich durch die Klimadiskussion und der daraus resultierenden Gesetze einer steigenden Nachfrage.

Bei den heute üblichen flüssigen Biotreibstoffen stehen Bioethanol als Benzinersatz und Biodiesel sowie HVO als Dieselersatz im Vordergrund. Biogas mit derselben Molekularstruktur wie Erdgas (Methan/CH4) gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Die Hoffnungsträger der Zukunft sind die synthetischen Biotreibstoffe und die Power-to-X-Technologie. Diese sind bis zum heutigen Zeitpunkt noch zu wenig ausgereift, um marktfähig zu sein. Experten erwarten eine Kommerzialisierung der synthetischen Treibstoffe in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

Durch die Konkurrenz zu der Nahrungsmittelproduktion sind Biokraftstoffe in der Vergangenheit oft in Kritik geraten. In der Schweiz basieren Biotreibstoffe ausschliesslich auf Abfall- und Reststoffen. In der EU sind durch die Anrechnung der Treibhausgaseinsparungen ähnliche Tendenzen zu beobachten. Zudem fordert die überarbeitete Renewable Energy Directive (RED II) eine höhere Quote für abfallbasierte Treibstoffe. Mehr dazu in der Rubrik Ethik.
 
 
 
Die drei Generationen
Bei Biotreibstoffen wird zwischen der ersten, zweiten und dritten Generation unterschieden. Zur ersten Generation gehören Pflanzenöl-Kraftstoffe, Biodiesel und Bioethanol. Während bei der ersten Generation nachwachsende Rohstoffe wie Ölsaaten oder Zuckerrohr zur Treibstoffproduktion dienen, sind es bei der zweiten Generation Abfälle und Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft wie Holz, Ernterückstände, Energiepflanzen und Papier sowie tierische Fette. Diese stehen weder mit Nahrungs- noch mit Futtermitteln in Konkurrenz. Biotreibstoffe der dritten Generation stehen in der Entwicklungsphase. Biodiesel aus Algen sowie synthetische Kraftstoffe seien als Beispiele genannt. Diese weisen eine höhere Biomasse-Produktivität pro Fläche auf als herkömmliche Energiepflanzen. Teilweise ist es jedoch schwierig, die drei Generationen klar zu trennen. So sprechen Spezialisten auch von Biotreibstoffen der ersten Generation und solchen der nächsten Generationen (sog. advanced biofuels).
 
 
 
0063 Programm Biotreibstoffe Schweiz
Biofuels Schweiz ist der Programmeigner und Programmbetreiber des grössten KliK-Programmes. Durch dieses Programm werden die Biotreibstoffe bei der CO2-Einsparung angerechnet. In den Jahren 2018 und 2019 wurden durch das Programm gesamthaft rund 800'000 Tonnen CO2eq eingespart.
Mit dem Einsatz von Biodiesel und HVO wird fossiler Diesel und mit Bioethanol fossiles Benzin ersetzt. Dies geschieht entweder in reiner Form oder durch Beimischungen. Der Biotreibstoff wird entweder in der Schweiz produziert oder vom Ausland importiert. Der grösste Anteil Biotreibstoff stammt aus Deutschland.

 
 
 
Qualität
Der Verband "Biofuels Schweiz" setzt auf eine gesamtheitliche Qualitätsbetrachtung. Hierzu zählt das Housekeeping der Tanklager, die Zertifizierung der gesamten Lieferkette (BTCert) und die halbjährlichen, unangemeldeten Surveys zur Überprüfung der Biodieselqualität. Die Proben werden im Labor analysiert und mit ihrer Norm SN EN 14214 verglichen.

Weitere Informationen und Dokumente finden Sie im Kapitel Qualitätsmanagement.
 
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