HVO für Stadtgärnerei BS

12. März 2026

11.03.2026

Quelle: PN Prime News online – Für Diesel gibt’s Ersatz, doch Basels Politik ist dafür blind – Prime News

Für Diesel gibt’s Er­satz, doch Basels Politik ist dafür blind

Gerspach AG liefert der Stadt­gärtnerei HVO-Kraftstoff. Trotzdem muss sie noch funktion­ierende Fahr­zeuge verkaufen.

Thomas Scheurer, Geschäftsführer der Gerspach AG, beliefert die Stadtgärnerei mit HVO Treibstoff Bildquelle: Martin Regenass

Kurz und knapp

  • Die Stadtgärtnerei Basel-Stadt muss wegen der «klimaneutralen Verwaltung 2030» noch funktionierende Maschinen mit Dieselantrieb verkaufen und durch Elektrofahrzeuge ersetzen. Der Grosse Rat hat das im Februar so bestimmt.
  • Allerdings gibt es für herkömmlichen Diesel ein Ersatzprodukt, das aus Altöl hergestellt wird. Die Gerspach AG beliefert die Stadtgärtnerei in Arlesheim bereits mit diesem Treibstoff. Damit können die Dieselmaschinen rund 90 Prozent CO2 einsparen.
  • Die Alternative ist auch bei anderen Staatsbetrieben Thema. So verwenden beispielsweise die Basler Verkehrsbetriebe für ihre Bagger diesen alternativen Diesel.  

Kein einziges Wort war über Alternativen zu konventionellem Diesel in der Grossratsdebatte von Anfang Februar zu hören. Dabei ging es beim Geschäft zur Elektrifizierung der Fahrzeugflotte der Stadtgärtnerei um ein Einsparpotential von nicht weniger als 5,1 Millionen Franken.

Doch eine rot-grüne Allianz mit der GLP sowie Teilen der Mitte im Schlepptau wollte aus «ökologischen Gründen» von der Sparübung der FDP nichts wissen. Denn die Basler Verwaltung müsse bis 2030 «unbedingt klimaneutral» sein, so die Begründung. Und so muss die Stadtgärtnerei nun funktionierende Dieselfahrzeuge durch E-Fahrzeuge ersetzen und verkaufen, obschon die Fahrzeuge ihr Lebensende noch nicht erreicht haben und noch für ein paar Jahre einsatzfähig wären (Mehr dazu  hier).

Doch nun legt die Treibstofflieferantin Gerspach AG gegenüber Prime News offen, dass die Stadtgärtnerei seit Juli 2025 ihre Dieselfahrzeuge am Standort Arlesheim mit HVO-Treibstoff betankt. Der Staatsbetrieb bestätigt dies auf Anfrage.

CO2-Reduktion von bis zu 90 Prozent

HVO steht für «Hydrotreated Vegetable Oils». Raffinerien stellen HVO aus mit Wasserstoff behandelten Fetten und Ölen her. Mit HVO-Kraftstoff sollen Dieselmotoren nahezu klimaneutral laufen. Zwar wird bei der Verbrennung von HVO ähnlich viel Kohlendioxid ausgestossen wie bei konventionellem Diesel. Da der Kraftstoff aber auf nachwachsenden Rohstoffen basiert, wäre er defakto wie Brennholz CO2-neutral. HVO weist eine deutlich bessere Klimabilanz auf als fossile Kraftstoffe.

Gemäss Experten ist es mit HVO-Treibstoff möglich, die CO2 Emissionen gegenüber fossilem Diesel um bis zu 90 Prozent zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund muss das Abstimmungsverhalten des Basler Parlaments nochmals hinterfragt werden.

Schliesslich hätten die Dieselfahrzeuge der Stadtgärtnerei mit dem «ökologischen» HVO-Treibstoff um einige Jahre länger und bis an ihr Lebensende betrieben werden können. Oben drauf hätte das Parlament die 5,1 Millionen Franken einsparen können.

Geldvernichtung auf Kosten des Steuerzahlers

Thomas Scheurer hat für diese Mehrausgaben kein Verständnis. Der Geschäftsführer der Gerspach AG liefert mit seinen zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Privaten und Unternehmen verschiedene Brenn- und Treibstoffe – und der Stadtgärtnerei eben die Alternative HVO.

«Für mich ist es unverständlich, wenn Gemeinden oder Kantone den Restwert von Fahrzeugen auf Kosten der Steuerzahler vernichten. Wenn das Private mit ihrem selbst erwirtschafteten Kapital tun, dann ist das etwas anderes», sagt Scheurer.

Der HVO-Treibstoff der Stadtgärtnerei wird gemäss Scheurer in Skandinavien raffiniert. Er bestehe aus gebrauchten Pflanzenölen und -fetten, die beispielsweise beim Frittieren von Pommes Frites in der Gastronomie oder bei der Produktion in der Nahrungsmittelindustrie anfallen.

Scheurer: «In die Schweiz darf nur auf Altspeiseöl basierender HVO-Treibstoff eingeführt werden.» Verboten ist die Herstellung von HVO-Kraftstoff aus frisch gepresstem Raps- oder Sonnenblumenöl. «Treibstoffe auf Basis von HVO dürfen die Herstellung von Lebensmitteln hierzulande nicht konkurrenzieren.»

Technisch ist die Umstellung von konventionellem Diesel auf HVO laut Scheurer «kein Problem». So liesse sich HVO-Treibstoff mit Diesel mischen. Ebenso bedürften Zapfsäulen von Tankstellen bei der Umstellung keine Umrüstung. «Ich betanke mein 14-jähriges Dieselauto seit gut einem halben Jahr mit HVO-Treibstoff. Der Motor läuft damit geruchsärmer, runder und verbraucht bei gemässigter Fahrweise etwa gleich viel. Das wäre auch bei den Dieselfahrzeugen des Kantons problemlos möglich.»

Vor diesem Hintergrund fragt sich Scheurer, weshalb die Basler Politikerinnen und Politiker noch fahrtüchtige Dieselfahrzeuge der Verwaltung nicht mit HVO-Treibstoff bis an ihr Lebensende weiterlaufen lassen – und dann auf Elektroantrieb umstellen. «Die Politik geht hin und macht dem Verbrennungsmotor den Garaus. Dies, obschon mit HVO-Kraftstoff eine gute Alternative bereitsteht. Damit verweigert sich Basel jeglicher Technologieoffenheit.»

Diese Kompostiermaschine der Stadtgärtnerei in Arlesheim läuft mit HVO Kraftstoff Bildquelle: Stadtgärtnerei

Keine elektrische Alternative für Kompostiermaschinen

Prime News hat bei der Stadtgärtnerei, den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) und beim Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) nachgefragt. Wie stehen diese Organisationen zum HVO-Treibstoff? Ist es denk- und machbar, dass sie bestehende Betriebstankstellen mit dieser Alternative anstatt konventionellem Diesel befüllen?

Bei der Stadtgärtnerei heisst es, dass seit Beginn des «HVO-Pilotprojekts» im vergangenen Juli knapp 14’000 Liter dieser Alternative verbraucht worden seien. Der Betrieb habe sich in Arlesheim für HVO entschieden, weil dort grosse Maschinen mit Dieselmotoren für die Kompostierung gebraucht würden. «Für diese gibt es so schnell keinen elektrischen Antrieb», heisst es von der Medienstelle.

Im Rahmen des Pilotversuchs mit HVO wolle die Stadtgärtnerei nach einer Möglichkeit suchen, wie diese Maschinen spätestens ab 2030 «so ökologisch wie möglich» betrieben werden könnten. Damit wolle die Stadtgärtnerei die kantonale Strategie «Klimaneutrale Verwaltung bis 2030» in Einklang mit den noch vorhandenen und nicht ersetzbaren Dieselfahrzeugen bringen.   

JSD prüft aktuell alternativen zu Diesel

Beim JSD heisst es auf Anfrage, dass die Verwendung von alternativen Kraftstoffen derzeit «geprüft» werde. Unter anderem betreibt und unterhält das JSD Fahrzeuge der Polizei, der Sanität, der Berufsfeuerwehr oder des Zivilschutzes. Eine Umstellung auf HVO-Diesel gestalte sich laut eines Mediensprechers aus verschiedenen Gründen aber «schwierig».

So würden gemäss JSD einige Fahrzeug- und Motorenhersteller der rund 220 Dieselfahrzeuge Garantieleistungen von der Art des Treibstoffes abhängig machen – vor allem bei älteren Fahrzeugen. Quittiert also ein mit HVO-Kraftstoff betriebener Motor seinen Dienst, könnten Garantieleistungen erlöschen.

Zudem befüllt die Feuerwehr und der Zivilschutz Generatoren zur Erzeugung von Strom mit konventionellem Diesel. «Für Betrieb, Sicherheit und Kosteneffizienz ist es am sinnvollsten, wenn für alle Diesel-Fahrzeuge und -motoren derselbe Kraftstoff eingekauft und verwendet wird», so der Mediensprecher.

Unterschiedliche Diesel-Kraftstoffe für verschiedene Dieselmotoren zu verwenden, würde das «Betriebsrisiko» steigern. Oder anders ausgedrückt: Im Notfall können es sich Polizei, Sanität oder Feuerwehr nicht leisten, dass ein benötigtes Fahrzeug wegen eines Treibstoffproblems seinen Einsatz nicht fahren kann.

Die Basler Verkehrsbetriebe setzten beim Baggern HVO als Kraftstoff ein Bildquelle: Martin Regenass

BVB baggern mit HVO-Treibstoff Löcher

Bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) schliesslich werden Baumaschinen mit HVO-Treibstoff betankt. So etwa Bagger und Radlader. Im Gegensatz zur Stadtgärtnerei verfügten die BVB über keine betriebseigenen HVO-Tankstellen, wie es auf Anfrage heisst.

Die Busflotte, die aktuell noch aus 54 dieselbetriebenen Gelenkbussen und fünf dieselbetriebenen Kleinbussen besteht, könnten gemäss BVB aus Garantiegründen nicht mit HVO-Treibstoffen betrieben werden. «Da wir unsere Dieselbusse nur mit Treibstoffen betanken dürfen, die vom Hersteller für unsere Fahrzeuge freigegeben sind, verzichten wir auf den Einsatz von HVO-Treibstoff.»

Aus diesem Grund legten die BVB den Fokus aktuell auf die Elektrifizierung der gesamten Busflotte. Diese muss gemäss Basler Parlament bis im nächsten Jahr umgesetzt sein.

HVO aus Reststoffen können Privatpersonen unter anderem in Muttenz tanken. Bildquelle: Martin Regenass

HVO-Kraftstoff auch für Private erhältlich

Wie sieht die Stadtgärtnerei die Ökobilanz des HVO-Treibstoffs? «Wir können die Klimabilanz nicht abschliessend beurteilen. Vertraut man den Zertifikaten der Hersteller und Lieferanten, bei denen wir den HVO-Kraftstoff beziehen, ist von deutlichen Einsparungen bei den Treibhausgasen im Vergleich zu fossilem Diesel auszugehen», schreibt die Medienstelle.

Prime News konfrontiert Thomas Scheurer auch mit der Aussage, dass es ihm auch darum gehen könnte, den Staatsbetrieben zusätzlichen HVO-Treibstoff zu verkaufen. Darauf entgegnet der Geschäftsführer von Gerspach AG: «Nein, darum geht es mir nicht. Aber die Stadtgärtnerei könnte mit HVO Fahrzeuge länger ökologisch betreiben, die ihre Laufzeit noch nicht erreicht haben. Damit würde der Steuerzahler entlastet und die Maschinen könnten mit gutem Gewissen bis an ihr Lebensende ihren Dienst tun.»

Autos mit Dieselmotor können in der Region auch Privatpersonen mit der HVO Alternative betanken. Möglich ist dies bei der Socar-Tankstelle in Muttenz. Dort liegt der Preis für einen Liter HVO am vergangenen Dienstag bei 1.99 Franken. Damit ist die Alternative zu diesem Zeitpunkt um fünf Rappen teurer wie ein Liter konventioneller Diesel. Gemäss Socar wird das HVO-Produkt «auschliesslich aus biogenen Rest- und Abfallstoffen» hergestellt.

Quelle: Martin Regenass – Redaktor – PN Prime News

Quelle Titelbild: www.oest.de

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