MARKT UND ENTWICKLUNG

Der Anteil biogener Treibstoffe in der Schweiz lag im Jahr 2010 lediglich bei 0,17 %. Im Jahr 2019 stieg dieser Wert auf 6,7 % beim Diesel- und 2,6 % beim Benzinabsatz.

Mit dem neuen CO₂-Gesetz steigt ab 2022 die Kompensationspflicht der Treibstoffimporteure vorerst auf 15 %. Dies wird zu einer weiteren Steigerung des Absatzes von nachhaltigen, erneuerbaren Treibstoffen führen.

Seit dem 1. Januar 2013 sind nur noch auf Abfällen und Reststoffen basierende biogene Treibstoffe von der Mineralölsteuer befreit. Die Oberzolldirektion (BAZG) hat ihre Praxis beim Erteilen der Steuererleichterung in den letzten sieben Jahren laufend verschärft. Als Folge des revidierten CO₂-Gesetzes, das voraussichtlich am 1.1.2025 in Kraft tritt,

  • werden auch ab dem 1.1.2025 Steuererleichterungen gewährt;

  • werden auch in der Schweiz sogenannte „advanced biofuels“ analog der Erneuerbaren Energie Richtlinie (RED II) der EU akzeptiert.

BIODIESELMARKT SCHWEIZ

Bis 2012 verkauften die inländischen Hersteller sowie die Importeure von Biodiesel ihre Ware zu einem
grossen Teil an Betreiber von LKW-Flotten und Baumaschinen. An der Tankstelle ist reiner Biodiesel (B100) praktisch verschwunden, das Geschäft hat sich mengenmässig nicht gelohnt. Ab 2013 stiegen die Importe markant. An vielen Tankstellen wird unterdessen B7 – Mineralöldiesel mit einem nicht zu deklarierenden Anteil von 7 % Biodiesel – verkauft.

BIOETHANOLMARKT SCHWEIZ

Bioethanol ist in der Schweiz als Beimischung zu Benzin Bleifrei 95 oder als E85 erhältlich. Beimischungen bis zu 5% sind gemäss SN EN 228 nicht deklarationspflichtig. E85 besteht zu 85 % aus Bioethanol und zu 15 % aus Benzin Bleifrei 95. Die Beimischung von 15 % Benzin ist zur Verbesserung der Kaltstartfähigkeit notwendig. E85 ist ausschliesslich für Flex-Fuel-Fahrzeuge (FFV) geeignet. Schweizweit bieten rund 50 Tankstellen E85 an, Tendenz mangels Nachfrage sinkend.

Auch beim Bioethanol sind die – ausschliesslich importierten – Mengen seit 2014 stark angestiegen. Der deutlich tiefere Anteil erneuerbarer Komponenten beim Benzin ist darauf zurückzuführen, dass das aktuelle, bis 31.12.2024 gültige CO₂-Gesetz keine Massenbilanzierung zulässt, wie sie bei Strom und Gas üblich ist. Den Nachweis der ökologischen und sozialen Mindestanforderungen für Bioethanol zu erbringen, ist daher ungleich schwieriger als bei Biodiesel. Das Gesetz verlangt zwar die Akzeptanz der technischen Standards. Die Behörden sind aber nicht bereit, eine aus technischen Gründen unvermeidliche Massenbilanzierung, und sei dies nur in klar umschriebenen Teilbereichen, zu akzeptieren.

Bioethanol: Marktöffnung voller Hindernisse, EFD (2010)

AUSGANGSMATERIAL

Biotreibstoffe basieren auf Biomasse.

In der Schweiz basieren Biotreibstoffe ausschliesslich auf tierischen oder pflanzlichen Rest- und Abfallstoffen. So besteht beispielsweise der in der Schweiz verwendete Biodiesel zu 100 % aus Altspeiseölen oder Schlachtabfällen. Diese erneuerbaren Treibstoffe erfreuen sich aufgrund der Klimadiskussion und der daraus resultierenden Gesetzgebung einer steigenden Nachfrage.

Bei den heute üblichen flüssigen Biotreibstoffen stehen Bioethanol als Benzinersatz und Biodiesel sowie HVO als Dieselersatz im Vordergrund. Biogas mit der gleichen Molekularstruktur wie Erdgas (Methan/CH4) gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Die Hoffnungsträger der Zukunft sind die synthetischen Biotreibstoffe und die Power-to-X-Technologie. Diese sind bis zum heutigen Zeitpunkt noch zu wenig ausgereift, um marktfähig zu sein. Experten rechnen mit einer Kommerzialisierung synthetischer Treibstoffe in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

Durch die Konkurrenz zu der Nahrungsmittelproduktion sind Biokraftstoffe in der Vergangenheit oft in Kritik geraten. In der Schweiz basieren Biotreibstoffe ausschliesslich auf Abfall- und Reststoffen. In der EU sind durch die Anrechnung der Treibhausgaseinsparungen ähnliche Tendenzen zu beobachten. Zudem fordert die überarbeitete Renewable Energy Directive (RED II) eine höhere Quote für abfallbasierte Treibstoffe. Mehr dazu in der Rubrik Ethik.

DIE DREI GENERATIONEN

Bei Biotreibstoffen wird zwischen der ersten, zweiten und dritten Generation unterschieden. Zur ersten Generation gehören Pflanzenöl-Kraftstoffe, Biodiesel und Bioethanol. Während bei der ersten Generation nachwachsende Rohstoffe wie Ölsaaten oder Zuckerrohr zur Treibstoffproduktion dienen, sind es bei der zweiten Generation Abfälle und Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft wie Holz, Ernterückstände, Energiepflanzen und Papier sowie tierische Fette. Diese stehen weder mit Nahrungs- noch mit Futtermitteln in Konkurrenz. Biotreibstoffe der dritten Generation stehen in der Entwicklungsphase. Biodiesel aus Algen sowie synthetische Kraftstoffe seien als Beispiele genannt. Diese weisen eine höhere Biomasse-Produktivität pro Fläche auf als herkömmliche Energiepflanzen. Teilweise ist es jedoch schwierig, die drei Generationen klar zu trennen. So sprechen Spezialisten auch von Biotreibstoffen der ersten Generation und solchen der nächsten Generationen (sog. advanced biofuels).

0063 PROGRAMM BIOTREIBSTOFFE SCHWEIZ

Biofuels Schweiz ist der Programmeigner und Programmbetreiber des grössten KliK-Programmes. Durch dieses Programm werden die Biotreibstoffe bei der CO₂-Einsparung angerechnet. In den Jahren 2018 und 2019 wurden durch das Programm gesamthaft rund 800’000 Tonnen CO₂eq eingespart.
Mit dem Einsatz von Biodiesel und HVO wird fossiler Diesel und mit Bioethanol fossiles Benzin ersetzt. Dies geschieht entweder in reiner Form oder durch Beimischungen. Der Biotreibstoff wird entweder in der Schweiz produziert oder vom Ausland importiert. Der grösste Anteil Biotreibstoff stammt aus Deutschland.

QUALITÄT

Der Verband „Biofuels Schweiz“ setzt auf eine gesamtheitliche Qualitätsbetrachtung. Hierzu zählt das Housekeeping der Tanklager, die Zertifizierung der gesamten Lieferkette (BTCert) und die halbjährlichen, unangemeldeten Surveys zur Überprüfung der Biodieselqualität. Die Proben werden im Labor analysiert und mit ihrer Norm SN EN 14214 verglichen.

Weitere Informationen und Dokumente finden Sie im Kapitel Qualitätsmanagement.

Geschäftsstelle

Biofuels Schweiz
Schweizerischer Verband der Biokraftstoffe
Bahnhofstrasse 9
CH-4450 Sissach